Massivholz, Vollholz, Echtholz, Furnier: Was hinter den Begriffen steckt

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Massivholz-Küche in einem modernen Stil.
Massivholz-Küche in einem modernen Stil.

Beim Kauf von Holzmöbeln liest man Begriffe wie Massivholz, Vollholz, Echtholz oder Furnier. Diese teils sehr ähnlich klingenden Holz- oder Verarbeitungsarten haben jedoch einige Unterschiede. Wir erläutern die Vor- und Nachteile. (Dieser Artikel erschien bereits in einer leicht abgeänderten Form in unserer Kolumne auf FOCUS-Online.)

Massivholz

Der Begriff Massivholz ist in der Norm  DIN 68671 klar definiert: Massivholz-Möbel sind durch und durch aus dem gleichen, massiven Holz gefertigt. Dies kann zum Beispiel Eiche, Buche oder Kiefer sein. Ausgenommen sind dabei für gewöhnlich Rückwände und Schubkastenböden.

Insbesondere bei Familien mit Kindern sind Massivholz-Möbel sehr beliebt, da diese – bei entsprechender handwerklicher Verarbeitung – viel „einstecken“ können und gleichzeitig ein besonders gesundes Raumklima schaffen. Übrigens: Vereinzelt spricht man in diesem Zusammenhang auch von Bio-Möbeln.

Massivholzmöbel sind sehr stabil und sehr langlebig. (BILD by GAZZDA)

Vorteile von Massivholz:

  • ökologisch sinnvoll
  • natürliche, angenehme Haptik.
  • sehr stabil
  • sehr langlebig, kann man theoretisch beliebig oft nachschleifen und aufbereiten

Nachteile von Massivholz:

  • Holz arbeitet und kann sich daher im Lauf der Zeit verziehen oder an einzelnen Stellen reißen. Um dieser Entwicklung entgegen zu wirken sollte die Luftfeuchtigkeit im Raum bei zirka 60 Prozent liegen.
  • verfärbt sich durch Sonnenlicht im Laufe der Zeit, da es ein Naturprodukt ist

Der Naturfreund liebt jedoch oftmals gerade diese Tatsachen. Holz ist ein lebendiges Produkt und wird gerade deshalb als Massivholz oftmals “in Ruhe gelassen”.

Spezialfall: Teilmassiv

Dieser Ausdruck wird verwendet, wenn die Front vollmassiv ist und der Rest – also Korpus und Einlegeböden – nur aus kunststoffbeschichteten Spanplatten bestehen. Auf den ersten Eindruck ist das Möbelstück also hochwertig, bei genauerer Betrachtung jedoch eigentlich ein Blender – zumindest aus Sicht eines Möbel-Fachmanns.  Für gewöhnlich sind teilmassive Möbel preiswerte Produkte aus dem Ausland. 

Es gelten die Vor- und Nachteile der Massivholzmöbel wobei man bei Teilmassiv oftmals qualitative Abstriche machen muss.

Weiterer Nachteil von teilmassiven Möbeln:

  • Massivholz verändert sich im Laufe der Zeit durch Sonneneinstrahlung, nicht massive Elemente dagegen nicht. So können bereits nach kurzer Zeit unschöne Farbveränderungen zwischen Korpus und Front auftreten.

Vollholz

Viele Einrichter sagen zu Massivholz auch einfach Vollholz, dies stimmt jedoch fachlich nicht. Vollholz ist eigentlich die Bezeichnung für direkt aus dem Stamm eines Baumes gesägte Bretter. Zur Verarbeitung in Möbel müssen diese von einem Schreiner in vielfältiger Weise bearbeitet werden. Ein Auftrennen der Bretter zu Streifen und ein erneutes Zusammenleimen jeweils entgegen der Wuchsrichtung sorgt dafür, dass das Material weder reißt, noch sich stark verzieht. Ganz nebenbei entstehen auf diese Weise schöne Maserungs-Effekte.

Bei den meisten Massivholz-Möbeln wird in der Herstellung oftmals eine Kombination aus Massivholz und Vollholz eingesetzt. Die Grenzen sind hier deshalb fließend.

Beim Korpus arbeiten viele Möbel-Hersteller mit parkettverleimten Vollholz-Platten. Diese werden ausschließlich aus kurzen Reststücken zu großen Platten zusammengefügt und verleimt. Die Verwertung dieser Reste war früher technisch nicht möglich, erlaubt heutzutage jedoch eine äußerst nachhaltige und ergiebige Arbeit.

Furnier

Die genaue Definition des Fachbegriffs Furnier ist in der Norm DIN 4079 ausformuliert. Man versteht darunter dünne Holzblätter, die durch die Technik des Messerns, Schälens oder Sägens direkt vom Stamm gewonnen werden. Die daraus entstehenden Furnierblätter werden als Deckschicht auf tragende Platten verleimt. Tragende Platten sind zum Beispiel Furnierholzplatten, Tischlerplatten oder Spanplatten.

Aus einem Kubikmeter Holz können Möbelhersteller heute 1500 Quadratmeter Furnier gewinnen. (BILD by hülsta)

Furnier ist ein Unikat, genau wie Massivholz. Allerdings ist Furnier über zwanzig Mal ergiebiger als Massivholz: Aus einem Kubikmeter Holz können Möbelhersteller heute 1500 Quadratmeter Furnier gewinnen. Furniere, zuweilen auch Echtholzfurniere genannt, zeigen Strukturen aus dunklen und hellen Farbnuancen. Diese können sowohl quer als auch aufrecht verarbeitet werden.

Vorteile von Furnier:

  • Nachhaltig, da nur hauchdünne Holzschnitte verwendet werden.
  • Natürliche, angenehme Haptik.
  • Dadurch, dass das Furnier hauchdünn auf einer Trägerplatte ist, welche in der Regel formstabil ist, entfällt das Verziehen oder Reißen.

Nachteile von Furnier:

  • Bei tiefergehenden Kratzern und Beschädigungen schwierig bis unmöglich zu reparieren, denn es kann nicht so oft wie Massivholz nachgeschliffen und aufbereitet werden.
  • Verfärbt sich durch Sonnenlicht im Laufe der Zeit.

Auch dies ist bei Naturfreunden oft ein willkommener Effekt.

Echtholz

Von Echtholz sprechen Experten immer, wenn die Oberfläche, die man anfasst aus Holz ist. Ja mehr noch, eigentlich muss jeder zu sehende Bereich des Möbelstücks aus der gleichen in der Beschreibung angegebenen Holzart bestehen. Das bedeutet, dass sowohl eine Massivholz-Wohnwand als auch ein furniertes Sideboard den Begriff Echtholz tragen darf.

Der Begriff “Echtholz” umfasst Massivholz und Furnier. (BILD by VOGLAUER)

Hier geht es zur Original-Fassung von diesem Artikel in unserer FOCUS-Online-Kolumne:

https://www.focus.de/immobilien/experten/einrichtungs-profis/holz-massivholz-vollholz-echtholz-furnier-das-sind-die-unterschiede_id_9794144.html