Matratzen-Ratgeber – Das musst Du beim Matratzen-Kauf beachten!

Unser Einkaufs-Ratgeber erklärt Dir worauf es beim Matratzen-Kauf ankommt.
Unser Einkaufs-Ratgeber erklärt Dir worauf es beim Matratzen-Kauf ankommt.

Ein Drittel seines Lebens verbringt der Mensch im Bett. Das wirft einige Fragen auf: Welche Matratzen-Art bietet welche Vorteile? Auf welcher Matratze kann man am besten schlafen? In diesem digitalen Ratgeber liefern wir Dir die wichtigsten Tipps für den Matratzen-Einkauf. (Unser Ratgeber erschien bereits in leicht abgewandelter Form in unserer Experten Kolumne auf FOCUS-Online.)

Das Bett ist das wohl meist genutzte Möbelstück. Genau das hinterlässt natürlich Spuren: Die durchschnittliche Matratze absorbiert jährlich über 170 Liter Schweiß und 500 Gramm Hautschuppen. Hinzu kommen noch Milben, die früher oder später in jeder Matratze ihre eigenen Kolonien aufbauen …

Du kannst aber vorsorgen: Je nachdem wie sensibel und hygienebewusst Du bist, solltest Du alle fünf bis acht Jahre eine neuen Matratze anschaffen. Doch die Suche ist wegen der großen Produktvielfalt nicht immer ganz einfach. Und um sich von der Konkurrenz zu unterscheiden, werfen Matratzen-Hersteller ständig neue Namen und Variationen auf den Markt. Das erschwert den Verbrauchern die Orientierung unserer Meinung nach leider noch mehr. Deshalb möchten wir einen Überblick über den Matratzenmarkt liefern und verraten, worauf es beim Matratzen-Kauf wirklich ankommt.

Die wichtigsten Matratzen-Arten im Überblick

Federkern-, Taschenfederkern- und Tonnentaschenfederkern-Matratze

Die erste Kategorie umfasst alle Matratzen mit einem Federkern. Sie gelten als klassische Matratzen. Die gewöhnliche Federkern-Matratze, auch Bonellfederkern-Matratze genannt, verfügt über ein Geflecht aus Stahlfedern, die fest miteinander verbunden sind. Daher besitzt diese Matratze nur eine schlechte Punktelastizität und ist nicht in der Lage, sich dem Körper im Schlaf punktuell anzupassen. Es besteht sogar die Gefahr des Durchhängens, was zu unruhigem Schlaf und Bandscheiben-Problemen führen kann.

Um einiges besser ist die Taschenfederkern-Matratze. Bei dieser Art werden die einzelnen Federn in separate Taschen eingenäht. Hinzu kommt, dass meist sehr viele Federn eingearbeitet werden und diese zum Teil sogar unterschiedliche Härten aufweisen. Damit ergibt sich zumindest eine ansatzweise Punktelastizität, die eben auf einen durchschnittlichen Körper abgestimmt ist.

Den höchsten Komfort in dieser Kategorie bieten Tonnentaschenfederkern-Matratzen. Diese besitzen bis zu zweitausend Federn in einer Matratze, wodurch die Gefahr des Durchhängens gebannt werden kann.

Alle drei Varianten der Federkern-Matratzen verfügen über gute Belüftungseigenschaften, da sie durch die Federn über große Hohlräume im Inneren verfügen. Das macht sie interessant für Menschen, die im Schlaf stark schwitzen. Darüber hinaus greift bei allen Federkern-Varianten ein Federungs-Effekt: Die Federung wird bei starker Belastung härter. Dies dürfte den subjektiven Wünschen vieler Schläfer entsprechen.

Einen gemeinsamen Nachteil weisen die Federkern-Matratzen auf: Sie sind für verstellbare oder gar elektrische Lattenroste nur bedingt geeignet. Und sensible Menschen, die empfindlich auf Handy-Strahlung reagieren, dürften diesen Matratze ablehnend gegenüberstehen, da die einzelnen Federn laut Experten wie Handy-Antennen wirken können. Die Preise der genannten Varianten liegen zwischen 79 Euro und 999 Euro.

– Kaltschaum- und Viskoschaum-Matratze

Kaltschaum- und Viskoschaum-Matratzen verfügen über eine hervorragende, individuelle Anpassung an den Körper und liefern dadurch einen exzellenten Liegekomfort. Kaltschaum-Matratzen verformen sich durch den Druck des Körpergewichts. Dagegen reagieren Viskoschaum-Matratzen vor allem auf Körperwärme. Deshalb kehren sie erst nach einer Weile wieder in die ursprüngliche Form zurück. Fans dieser Kategorie lieben es, im Schlaf geradezu einzusinken. Es gibt aber auch einige, die das stört. Ja mehr noch, eine solche Mulde kann gerade für ältere Menschen unangenehm sein und das Drehen im Schlaf erschweren. Die Preise liegen in dieser Rubrik durchschnittlich bei 99 bis 1299 Euro.

Kaltschaum-Matratzen verfügen meist über Elemente mit verschiedener Härte. Dadurch kann der Körper besser abgestützt werden und zugleich an Becken und Schulter tiefer einsinken.
Kaltschaum-Matratzen verfügen meist über Elemente mit verschiedener Härte. Dadurch kann der Körper besser abgestützt werden und zugleich an Becken und Schulter tiefer einsinken.

Gelschaum-Matratze

Viele vergleichen Gelschaum-Matratzen mit Wasserbetten, da sie ebenfalls ein Gefühl von Schwerelosigkeit bieten. Die Ursache für dieses schwebende Liegen ist allerdings kein Wasser, sondern wie der Name es bereits andeutet eine Gelschaum-Schicht. Gelschaum-Matratzen können sich ebenfalls prima an den Körper anpassen und punkten dadurch mit guter Ergonomie. Interessant sind Gel-Matratzen insbesondere für Personen, die nachts unruhig sind und sich viel bewegen. Allerdings sollten Schläfer mit Übergewicht die Finger von Gel-Matratzen lassen, da sie vermutlich zu tief einsinken dürften. Die Preise von Gelschaum-Matratzen sind vergleichbar mit den Durchschnitts-Preisen der Kaltschaum-Matratzen. Auf die Rubrik der Gel-Betten gehen wir an dieser Stelle nicht weiter ein, da sie aus unserer Sicht eher ein Nischen-Thema sind.

Naturmatratzen

Natur-Matratzen bestehen zumeist aus Latex, Stroh, Kapok, Kokos oder Leinen. Es handelt sich dabei also ausschließlich um Material aus der Natur. Der Bestseller in dieser Kategorie ist zweifellos die Variante der Latex-Matratzen. Latex ist ein aufgeschäumter Milchsaft, der aus tropischen Bäumen gewonnen und aufgebacken wird (Talalay-Verfahren). Das Material überzeugt durch äußerst gute Elastizität und Formbeständigkeit. Dies spürt man in Form einer exzellenten Ergonomie und somit einem großen Liege-Komfort. Darüber hinaus überzeugt der offenporige Latex-Schaum durch sehr gute Klimaregulation und Belüftung. 

Naturmatratzen bestehen zumeist aus Latex, Stroh, Kokos oder Leinen. Es handelt sich dabei ausschließlich um Material aus der Natur.
Naturmatratzen bestehen meist aus Latex, Stroh, Kokos oder Leinen. Es handelt sich dabei ausschließlich um Material aus der Natur.

Allerdings sind Naturmatratzen anfälliger für Milben. Das kann ein K.o.-Kriterium für Allergiker sein. Hinzu kommt, dass manche Allergien gerade durch einzelne Natur-Bestandteile wie zum Beispiel Rosshaar ausgelöst werden können. Die Durchschnittspreise bei Latex-Matratzen liegen ungefähr zwischen 398 und 2000 Euro.

Futon-Matratzen

Die Futon-Betten haben sich in Deutschland nicht durchgesetzt. Deshalb bleiben sie hier außen vor.

Wasser-Betten

Wasser-Betten gelten als luxuriöse Alternative zu klassischen Matratzen. Wenn das Bett mit der richtigen Wasser-Menge gefüllt ist, entsteht ein angenehmer Liegekomfort, da das Bett genau auf seinen Schläfer abgestimmt werden kann. Darüber hinaus werden Wasserbetten beheizt und sorgen so für kuschelige Temperaturen, was viele Schläfer glücklich machen dürfte. Diese Heizung ist jedoch ein K.o.-Kriterium für Personen, die im Schlaf stark schwitzen, da Wasserbetten immer beheizt werden müssen.

Außerdem zu beachten: Bei falscher Beheizung kann das Wasser auskühlen, was zu Rheuma führen kann. Im Fachhandel kosten Wasserbetten je Liegeeinheit im Durchschnitt 650 bis 3000 Euro. Wobei man bei den Einsteiger-Modellen äußerst vorsichtig sein muss und die Montage besser den Profis überlassen sollte.

Boxspring-Betten

Im Möbelhandel haben sich Boxspring-Betten zu einem starken Trend entwickelt. Einerseits bieten sie durch ihren luxuriösen Komfort das Niveau internationaler Sterne-Hotels. Anderseits empfinden viele die Einstiegshöhe des Bettes als sehr angenehm.

Boxspring-Betten bestehen aus einer unteren Box mit Federkern, einer Auflagen-Matratze und einem Topper.
Klassische Boxspring-Betten bestehen aus einer unteren Box mit Federkern, einer Auflagen-Matratze und einem Topper.

Vereinfacht man den Aufbau, so kann man bei Boxspringbetten von drei Komponenten sprechen:  Unterkonstruktion in Form einer Box (meist mit Federkern), Auflage-Matratze und Topper. Die Preise variieren bei Boxspringbetten allerdings sehr stark. Insbesondere, da sie wesentlich mehr handwerkliche Fertigungszeit erfordern als klassische Matratzen. So können Boxspringbetten von Markenherstellern schnell auf Preise in Höhe von 3000 Euro, 6000 Euro oder noch wesentlich höher kommen. Einsteigermodelle liegen im Fachhandel bei ungefähr 450 Euro. Wobei viele preiswerte Boxspring-Betten oftmals nur Fake sind und lediglich “Boxspring-Optik” bieten.

Die richtige Härte-Klasse der Matratze

Matratzen können in unterschiedliche Härte-Grade unterteilt werden. Darunter versteht man die Festigkeit – also die Widerstandsfähigkeit – der Matratze für den Schläfer. Der Volksglauben, dass man auf einer harten Matratze liegen soll, ist medizinisch längst überholt. Im Gegenteil, der Körper sollte so einsinken können, dass die Wirbelsäule optimal gestützt ist. Generell gilt: Je härter die Unterlage, desto schlechter ist die individuelle Anpassung an den Körper.

Da Menschen jedoch unterschiedlich viel Gewicht auf die Waage bringen, haben sich in der Praxis die unten folgenden Zuordnungen ergeben. Es handelst sich dabei allerdings um Durchschnittswerte.

H1: bis 75 kg

H2: bis 85 kg

H3: bis 95 kg

H4: bis 130 kg

H5: ab 131 kg

In jedem Fall muss man eine Matratze erst probeliegen, da die Angaben nicht genormt sind und jeder Hersteller in seinen Zuordnungen teilweise sehr subjektiv ist. Anschließend kann man die Preise online vergleichen, da Matratzen im Onlinehandel deutlich günstiger sind und man am Ende ja das gleiche Produkt bekommt, wenn man sich für eine bestimmte Marke und Artikel-Ausführung entschieden hat.

Und noch ein Tipp für jeden, der gerne erst einmal Probe-Liegen will: Mach das am besten vormittags, denn im Laufe des Tages stumpft die eigene Wahrnehmung ab und dann fällt es Dir schwerer, die einzelnen Nuancen miteinander zu vergleichen.

Übrigens spielt auch die Art und Weise, wie Du am liebsten einschläfst, eine Rolle bei der Auswahl des richtigen Härtegrades. Zum Beispiel müssen Seitenschläfer unbedingt weich liegen, da sie tiefer einsinken sollten als ein Bauchschläfer.

Mess-Computer nicht blind vertrauen

Einige Fachgeschäfte arbeiten mit hochmodernen Vermessungs-Geräten. Diese analysieren den Körper und das Liegeverhalten präzise und geben die ideale Empfehlung für den Matratzen-Kauf. Das könnte man zumindest meinen, wenn man probeliegt.

Die Wahrheit sieht aber so aus: Das Gerät gibt die Auskunft, die vom eingebenden Berater gewünscht wird. Da diese Geräte sehr teuer sind, werden sie zumeist von einem bestimmten Matratzen-Hersteller subventioniert und raten “überraschenderweise” immer zu einer ganz bestimmten Marke. Also lassen Sie sich von derartigen Spielereien nicht beeindrucken oder gar zu einem Kauf verleiten

Die wissenschaftlich korrekte Empfehlung lautet einfach, dass die Wirbelsäule optimal abgestützt werden muss und die Matratze druckentlastende Eigenschaften aufweisen sollte. Für diese Erkenntnis benötigst Du ehrlich gesagt keine Vermessungs-Technik. Die einzige Form der Vermessung, die Sinn macht, ist, wenn beispielsweise die Matratze ganz individuell auf Deine Körper-Maße angefertigt wird. Diese Form der Matratze ist jedoch teuer und derzeit auch nur in wenigen Möbelhäusern erhältlich.

Der richtige Lattenrost

Der Lattenrost ist bei manchen Herstellern ein regelrechtes Hightech-Objekt. Dies spiegelt sich oft im Preis … Die Frage ist allerdings: Braucht man das? Die ehrliche Antwort lautet: Die Matratze prägt den Schlaf zu 80 Prozent und der Lattenrost zu 20 Prozent.

Wer rechnen muss, sollte sich lieber eine gute Matratze kaufen und beim Lattenrost sparen. Wer ein großes Budget hat und die perfekte Lösung sucht, kann die verschiedenen Lattenroste ruhig genauer ansehen. Entscheidend ist, dass das Kopfteil in der Höhe verstellt werden kann. Die Anzahl der Lamellen liefert einen Hinweis auf die Qualität. Teller- oder Modulrahmen versprechen in der Regel eine noch bessere Punktelastizität.

Die Matratzen-Schoner-Abzocke

Manche Verkäufer empfehlen einen Schoner zwischen dem Lattenrost und der Matratze. Dieser schützt die Matratze angeblich vor Reibung. Das ist nur unseriöse Abzocke, mittels der das Auftragsvolumen vergrößert wird. Fakt ist, dass diese Schoner sogar zu einer Schimmel-Bildung führen können, da ein Feuchtigkeitsstau droht. Also lass besser die Finger von Matratzen-Schonern…

Tipps für das richtige Kissen zur Matratze

Bauch-Schläfer benötigen ein dünnes Kissen, damit die Halswirbelsäule nicht überstreckt wird.

Seiten-Schläfer müssen die Strecke zwischen dem aufliegendem Kopf und der Schulter durch das Küssen überbrücken. Sonst droht die Gefahr einer schmerzhaften Überstreckung.

Rücken-Schläfer machen mit einem flachen Kissen nichts falsch.

Mit den Tipps aus diesem Einkaufs-Ratgeber findest Du ohne Probleme die richtigen Matratze.
Mit den Tipps aus diesem Einkaufs-Ratgeber findest Du ohne Probleme die richtigen Matratze.

Dieser Artikel erschien zuerst in einer leicht abgewandelten Form in unserer Kolumne auf FOCUS-Online: https://www.focus.de/immobilien/experten/einrichtungs-profis/einkauf-ratgeber-endlich-guter-schlaf-mit-diesen-tipps-finden-sie-garantiert-die-richtige-matratze_id_5611732.html